Der Graf von Monte Christo - neu aus Frankreich im Kino

Filmkritik der altmodischen Art ... von DocWunderbar am 2.3.25


Filmkritik :  Bewertung   - 1 von 5 möglichen Sternen - sehr schwach

Der Film ist letztlich an zwei Dingen gescheitert:   Er versuchte bekannte Szenen zu "zitieren", statt mit neuem Leben einzuhauchen.  Zweitens versucht er wieder mal alle Probleme des Stoffes zu lösen und hätte besser daran getan, sich auf einen der vielen gewaltigen Plotz zu konzentrieren.

Der größte Missetäter an diesem Film ist die Person, die den Film geschnitten hat.  Der Held schwimmt vom Chateau d`Ilf  direkt nach Hause...  Fast wäre er auch noch nach Monte Christo geschwommen. Der Regisseur hat wohl keine Zeit gehabt, den Schnitt nochmal anzuschauen, deshalb ist er genauso Schuld. So gibt es unfassbare Ungereimtheiten und es fällt auch niemand auf, dass Personen falsch zitiert werden...   der vergrabene Sohn des Prosecutors ist mal im Waisenheim aufgewachsen und mal ein Dieb.  Wer nur Filmzitate schneidet, sollte trotzdem nicht den Überblick verlieren.

Es gibt einen Moment, in dem der Film sein Thema gefunden zu haben scheint - als Abbe Faria Edmont Dantes daran erinnert, dass ein Schatz eine Verantwortung birgt -  und das die wichtiger ist als Rache, Vergeltung, selbst als Gerechtigkeit.

Leider versucht der Film dann aber verschiedenen Herren zu dienen und so liefert ein löchriges, oft lächerliches Bild ab, in der Graf von Monte Christo letztlich nie Verantwortung oder Gerechtigkeit wählt.  Schlimmer. Er wird sich seiner Verantwortung nie bewußt.  Er wird sich nichtmal bewußt, dass er selbst - was Gerechtigkeit angeht -  ein schwaches Bild abgibt.

Schade, ich warte schon lange einmal darauf, dass jemand die eigentliche Intention von Alexandere Dumas modern in Szene setzt:   Wenn schon Menschen mit der Geschichte eines Edmont Dantes, nie auch nur ein Stückchen schlauer werden...  wird es wohl auch mit der Menschheit nicht klappen: Wir nehmen unser Schicksal nie an. Und wenn wir es dann doch mal  tun, dann wissen wir alles besser und drücken uns um die Verantwortung.  Selbst der Schatz der Tempelritter hilft offenbar nicht.

In diesem Film konnte man noch nichtmal das lernen. Schade. Hoffen wir auf die 30zigste Verfilmung des Stoffes seit 1918.

DocWunderbar - 2.3.25


Wunderschöner von Karoline Herfurth

Filmkritik der altmodischen Art ... vom DocWunderbar 23.2.25


 

Gestern hatte ich die Möglichkeit den neuen Film von Karoline Herfurth „WunderschönEr“ zu sehen. Und der Film bekommt von mir 5 von 5 möglichen Sternen. Ein Top-Film.

 

Geschichte, Regie, Schauspielleistung, Schnitt und Bilderkraft.... alles Höchstnoten.

 

Im folgenden werde ich den Film interpretieren, was keine Bewertung des Films darstellt, sondern eine Art der Selbstvergewisserung. Zu der der Film befähigt und Anlaß gibt. Ich berichte also über seine Wirksamkeit und Kraft (vor allem mit mir) . Und gerade auch hier gibt es Höchstnoten.

 

Der phantastischste Moment des Films, ist der einzige, der wohl nicht geplant war: die Mädels der Schulklasse radeln davon und ein Schwan läuft ins Bild: riesenhaft, in der Größe von 15 Menschen, läuft der Schwan über die Kino-Leinwand. Kein schwarzer Schwan - ein weißer Schwan, einen den wir kennen, dessen Kraft unberechenbar  - aber bekannt ist.

 

Diese Metapher ist der Schlüssel zum Film: Viele Beziehungen kämpfen in dem Film um Verstehen, um Freiheit, ums Gewahr werden, ums Überleben,  um die Fehler die gemacht werden und deren Folgen. Ja, es sind Beziehungen mit ihrer Qualite Emergent....: Beziehungen sind eigene Wesen, die nicht durch die Addition von Partner 1 und Partner 2 beschrieben werden können. Und so ist es in dem Film:



Der Film beschreibt die Fehler von Männern und Frauen in der ihren Beziehungen, er zitiert die Klischees und verwirft sie doch: Vorwiegend zeigt der Film die Folgen, die Fehler eines Partners auf die ganze Beziehung haben -  bis zu den Kindern und den Huren! Und während man durch witzige Dialoge immer wieder glaubt die Sache erfasst zu haben, erzählt der Film einfach immer weiter und so löst sich Klischee und Klische, Vorurteil und Vorurteil auf.....und dann passiert es: Karoline sagt es selbst zu ihrem Partner: Es ist zu schmerzhaft, die Unterschiede zu groß, die Situationen erfordern zuviel Selbstkontrolle, bist man entweder vor lauter Rücksichtnahme oder vor lauter Nachsicht, sich selbst von der Freude abschneidet: Sie sagt ihrem Partner: Wir müssen aufgeben, mit all dem Schmerz, wird die Liebe unfühlbar! „Nichtmal die Liebe kann uns retten!“.

 

Ein Fauxpas für einen solchen Film, in den ja auch gerade die Romantiker gehen. Aber ein ehrliches Eingeständnis unserer Zeit: Bei allem Ringen darum, dass alle frei sein sollen, alle gerecht, fair und gleich behandelt werden sollen, sind unsere Beziehungen an einem Punkt angelangt, wo unser Wunsch nach Selbstverwirklichung und unser Wunsch nach geliebt werden,  sich gegenseitig praktisch ausschließen.

 

hier geht es zu dem Film auf youtube:  https://youtu.be/tEQkZeLWya4

 

Die Stelle wird am Schluß ein bisschen geheilt, weil der Partner von Karoline darauf besteht, dass er an die Liebe glaubt. Aber als Zuschauer bleiben wir skeptisch: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit .. erscheinen uns so nah und sind doch so fern! Und doch sind wir schon weit gekommen... allerdings um den Preis fortwährendes Schmerzes.  Wer keine Beziehung hat, leidet. Wer eine Beziehung hat leidet. Lohnt das denn überhaupt?  Auch ohne Donald Trump stehen wir vor einem unausweichlichen Widerspruch.

 

Auf dem Höhepunkt des Films, überlegen sich die Schulmädchen, was wohl passieren würde, wenn man den Jungs von klein an erzählt würde, dass jede Ejakulation vor der Ehe, ihre Manneskraft schrumpfen lassen würde.... und das man sie testen wird, ob es sie noch jungfräuliches Ejakulat haben, bevor man sie zur Ehe zulassen würde....

 

Ich habe es als Zuschauer geliebt, wie alle in diesem Film sich bewegen müssen, lernen müssen, einstecken und austeilen. Ich stamme aus der Generation, der das wichtig war und ist. Aus der Generation, die Weiterentwicklung wichtig fand und bereit war dafür, auch einmal „durchs Feuer“ zu gehen.

 

Aber das ist nicht die Realität von heute: Es wird nicht mehr gefragt, von Kindheit an, wird Entwicklung verweigert und nach äußeren Klischees beurteilt.  Selbst die Alten wollen alles haben, aber nichts akzeptieren müssen. Insofern ist der Film der Höhepunkt „der französischen Revolution“ des 21. Jahrhunderts. Und zugleich das Eingeständnis, dass diese Revolution gescheitert ist.

Aber woran scheitern wir wirklich?  Es sind unsere Ansprüche.  Das war schon Diognes klar. Aber wenn wir es mal übersetzen wollten, dann müssten wir sagen:  Wir scheitern an der erlernten und erfahrenen Idee, wichtig zu sein, weil wir soviel Glück hatten. 

Biologisch sind wir nicht wichtig.  Und es zeigt sich, dass wir nicht die Krone Schöpfung sind, sondern die Plage des Planeten: Wir können keine Grenze aktzeptieren. Wir zerstören täglich systematisch die Lebensräume anderer Lebewesen ohne Not.  Nur so zum Spaß.  Aber bald gibt es deshalb keine gesunden Lebensmittel und kein sauberes Wasser mehr.  Denn wir brauchen die Natur, nicht umgekehrt.  Und dasselbe machen wir in  unserem Garten, in unseren Familien  und  in unseren Beziehungen.  Klar, wir haben es gut gemeint.  Das steht dann auf dem Grabstein!

 

Fragen wir uns also selbst:  Leben wir in einer Beziehung, die uns hohen Ansprüche erfüllt... und fühlen uns dort auch noch geborgen und geliebt?  (Es wäre sehr heilsam, wenn Sie jetzt sehen könnten, was die anderen sagen: Dazu müssen zu mir an die Uni kommen, dann würden sie sich im Saal umsehen und sehen, das Sie nicht allein sind.)

 

Wir sollten unser Herz nicht so wichtig nehmen. Es jammert immer und überall, es würde sogar Jammern wenn wir Gott/Göttin (noch nie habe ich so gern gegendert!)  als PartnerIn hätten, weil seine Ansprüche uferlos sind. ...und braucht von Zeit zu Zeit ein klares:  "Sei still". 

Wir sollten uns selbst nicht so ernst nehmen.  Noch nie waren Menschen so reich und so frei.  Wir sollten uns nicht an Idealbildern messen, die nicht einlösbar sind.

Wir sollten  viele Dinge einfach akzeptieren. Man braucht nur zu überlegen, ob z.B.  die Putzorgie auch wichtig wäre, wenn man jetzt in der Ukraine wohnen würde.  Vielleicht sollten wir mehr dafür tun, dass der Krieg nicht näher rückt: niemand unsere Infrastruktur zerstört, niemand Drohnen zu uns sendet. 

In einer coolen Szene des Films  spricht der Vater mit der Tochter mit Hilfe des Handys. Das Handy hilft die Brücke zu schlagen. Die Brücke über 2-3 Meter und durch eine Badtür. Miteinander zu sprechen wird garnicht erst versucht. Und so bleibt selbst die Brücke des Mitgefühls netzabhängig: voller virtueller Wärme, aber ohne Berührung. (das erinnert an meinem Beitrag zum 99 Fire Film Award in diesen Tagen  - siehe links,  aber auch an einen der nomierten Filme:      https://youtu.be/6mv8WT8gTo0?si=XjTzU0cj_xLBCx3A     )

DocWunderbar  - 23.2.25